Einfach einmalig!

Vor ca. 200 Jahren war das Liether Moor noch eines der größten Hochmoore in der Herrschaft Pinneberg. Heute besteht es leider nur noch aus einigen Restmoorflächen, bewachsen  mit charakteristischen Birkenwäldchen. Entstanden ist das Liether Moor während der Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren. Durch den Durchzug der Gletscher entstand eine besonders große Senke, worin sich hier ein See bildete, aus dem später das Liether Moor hervorgehen sollte. Wegen einer aufgewehten Dünenkette hatte der See keinen Abfluss nach Süden. Nach Osten hin hatte er einen Abfluss durch die heutige Ekholter Au. Danach begann der zuflusslose und daher sauerstoffarme See langsam zu verlanden und im Laufe von Jahrtausenden bildeten sich durch absterbende Pflanzen sogenannte Flachmoortorfe. Durch laufende Klimaveränderungen entwickelten sich die ersten Torfmoose und wuchsen über die Ränder des verlandeten Sees hinaus. So verband sich das Liether Moor mit dem Esinger Moor zum späteren Hochmoorkomplex.

Nachdem immer mehr Wälder für Bau- und Brennmaterial gebraucht wurden, nahm die Bedeutung des Torfs mehr zu. Bis 1650 war es jedem Einwohner der Herrschaft Pinneberg gestattet, so viel Torf zu graben, wie er benötigte. Aus Gründen der Gemeinschaft teilte man auch auswärtigen Bauern Flächen zum Torfstechen zu, die sich nach der Größe der Höfe richteten. Bis zu 29 Ortschaften stachen zeitweise Torf im Liether Moor. Daher erklären sich auch heute noch die Namensgebungen (z. B. Seestermüher Moor). Aufgrund großer Brennholzverluste während diverser Kriege fand ab dem 17. Jahrhundert ein gewerblicher Torfabbau statt, der hauptsächlich von Kätnern ausgeübt wurde. Während dieser Zeit wurde auch Torfkohle hergestellt, die u.a. die Schmiede benötigten. Große Mengen benötigten auch die Muschelkalkbrennereien in Elmshorn und Uetersen und die Boote, die die Muschelschalen brachten, nahmen auf der Rücktour Torf mit nach Altona und Hamburg. Auch wurde von den Einwohnern immer mehr Torf zum Eigengebrauch benötigt. Es fand ein regelrechter Raubbau statt. Erst durch Einsetzen der Industrialisierung und Transport von importierter Kohle durch die entstandene Eisenbahn nahm der Verbrauch des Torf immer weiter ab. Dieser wurde durch Steinkohle ersetzt.

Wegen laufender Streitigkeiten über die Zugehörigkeit einzelner Flächen wurde im Jahre 1885 neue Grundbücher im Pinneberger Katasteramt angelegt. Nach Abtorfung weiter Teile des Liether Moores wurde dieses Gebiet für die Landwirtschaft immer interessanter. Das Moor wurde urbar gemacht und allmählich in landwirtschaftlich nutzbares Land verwandelt. Nur schwierig zu bearbeitende Flächen blieben in ihrem Urzustand erhalten und sind heute mit landschaftstypischem Birkenbruchwald bewachsen. Da die Landwirtschaft weiter fortschreitet, mit großen Maschinen arbeitet, können kleine Flächen von den Landwirten nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen bearbeitet werden. Wenn man die Flächen jedoch der freien Natur überlässt, würden diese total verbuschen und verbinsen. Um dieses zu unterbinden, setzt der Verein für extensive Robustrinderhaltung im Liether Moor e.V. seine Rinder zur Pflege der Landschaft ein, die diese durch Verbiss der Büsche und Bäume und Rückdrängung der Binsen offen halten. Ziel ist es, die Landschaft zumindest teilweise wieder so herzustellen, wie sie vor langer Zeit einmal war, die Ländereien wieder extensiv landwirtschaftlich zu nutzen und die früher vorhandene Tier- und Pflanzenwelt wieder anzusiedeln.

Quelle: Ortsgeschichte Klein Nordende, herausgegeben 1997 von der Gemeinde Klein Nordende